Frauen*solidarität erleben

Einblicke in Gender, Menschenrechte und Migration

GIZ-Praktikantinnen berichten von ihrem Besuch bei der Frauen*solidarität. Von Judith Jansen und Felicia Stahlhut.

Mit dem Ziel aktuelle gesellschaftliche und entwicklungspolitische Debatten aus einer internationalen Perspektive kennenzulernen, reisten wir, eine Gruppe von sieben Praktikantinnen bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), am 23. Oktober 2025 nach Wien. Die selbst organisierte Exkursion steht allen GIZ-Praktikantinnen offen und ermöglicht es, über den eigenen Arbeitsalltag hinaus Einblicke in relevante Institutionen, Organisationen und politische Diskurse zu gewinnen.

Unter dem thematischen Schwerpunkt „Menschenrechte, Migration und Gender” besuchten wir verschiedene staatliche, internationale und zivilgesellschaftliche Akteure, darunter die Austrian Development Agency (ADA), das Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten (BMEIA) sowie feministische Netzwerke wie WAVE und WIDE. Die Gespräche boten uns einen differenzierten Einblick in Menschenrechtsfragen im Kontext der Entwicklungszusammenarbeit. Sie waren geprägt von großer Offenheit, gegenseitiger Wertschätzung und der Bereitschaft, Zeit und Materialien für eine vertiefte Auseinandersetzung zur Verfügung zu stellen.

Als bewussten Perspektivwechsel ergänzte der Besuch bei Frauen*solidarität die institutionellen Einblicke. In einer Austauschrunde mit Vorständin Gerda Neyer erhielten wir Einblicke in die langjährige feministische Menschenrechtsarbeit der Organisation und lernten Frauen*solidarität dabei als wichtigen Ort politischer Bildungs- und Medienarbeit kennen, der globale Zusammenhänge verständlich aufbereitet und marginalisierte Perspektiven sichtbar macht.

Anschließend nahmen wir an der von Frauensolidarität im Rahmen der Demokratiewoche mitorganisierten Lesung und Gesprächsrunde zum Buch „Migrationspanik – Abschottungspolitik und die autoritäre Wende” von Judith Kohlenberger teil. Gemeinsam mit Christine Scholten setzte sich die Autorin kritisch mit aktuellen migrationspolitischen Entwicklungen und deren gesellschaftlichen Folgen auseinander.

Besonders eindrücklich war eine Frage, die im Zuge der Diskussion aufkam: Was ist eigentlich das Ziel von Integration? Wer definiert, wann Integration als „gelungen” gilt – und wer legt fest, was als „zu viel Anderssein” wahrgenommen wird? Deutlich wurde, dass Integration häufig als einseitige Anpassungsleistung verstanden wird, während gesellschaftlich nur ein begrenztes Maß an Vielfalt akzeptiert wird.

Der anschließende Austausch verdeutlichte, wie wichtig solche Reflexionsräume für offene und differenzierte Diskussionen sind. In der Atmosphäre der C3-Bibliothek entstand ein Dialog zwischen wissenschaftlicher Analyse, zivilgesellschaftlichem Engagement und persönlichen Fragen. Anders als in vielen formellen Gesprächen standen hier nicht Zuständigkeiten oder Programme im Vordergrund, sondern das gemeinsame Nachdenken darüber, wie Migration solidarischer, gerechter und menschenrechtsbasiert gestaltet werden kann.

Aus dem Besuch bei Frauen*solidarität nehmen wir mit, dass feministische Bildungsarbeit entscheidend dazu beiträgt, dominante Diskurse zu hinterfragen und alternative Perspektiven sichtbar zu machen. Die Exkursion bot uns insgesamt nicht nur fachliche Impulse, sondern auch Raum für Austausch, Vernetzung und vor allem Inspiration. Die Begegnungen mit engagierten Personen, die sich mit Überzeugung für gesellschaftliche Veränderungen einsetzen, bestärken uns darin, die gewonnenen Perspektiven in unserer weiteren Arbeit in der internationalen Zusammenarbeit aktiv einzubringen.